Berichte, Analysen, Meinungen zum Unverstand der Dinge

Ist unsere Vorstellung von Moral jetzt auf dem Prüfstand?

Vermis­ster Höh­len­for­scher ent­deckt Hölle

von | 05. 10. 2015

Ein Ort voll unendlicher Qualen. So sah man die Hölle früher. Heute schert sich kaum mehr jemand darum.

en:Herrad of Landsberg [Public domain], via Wikimedia Commons

Oberstdorf (AA) – Kennt man seine Vorgeschichte nicht, würde man ihn für verrückt halten. Er kann kaum ruhig sitzen und schlägt bei jeder sich bietenden Möglichkeit das Kreuzzeichen. Aber nicht für sich sondern, wie es scheint für sein Gesprächsgegenüber. Zum Schutz, wie er sagt, vor dem “Leibhaftigen”.

Es ist gemütlich bei ihm auf seinem Hof im Allgäu und würde er, der Bauer Jakob Rumpeldinger, nicht so ein düsteres Gesicht machen, könnte man durchaus zusammen mit Frau und Kindern ein paar Wochen “Ferien auf dem Bauernhof” bei ihm verbringen. Aber der Anlass unseres Gesprächs ist ein anderer und so lasse ich ihn erzählen:

“Ich kenne ja die Höhle in und auswendig und eigentlich wollte ich nur ein paar Sicherungsseile anbringen, als ich plötzlich eine Abzweigung entdeckt habe, die ich bis dahin noch nie gesehen hatte. Eigentlich wollte ich nur kurz hineinleuchten. In dem Moment bin ich aber über einen Stein gestolpert und schon ging’s bergab. Ich weiß nicht wie lange ich hinunter gerutscht bin, aber es waren schon gute 10 Minuten. Unglücklicherweise ist dabei auch noch meine Lampe zerbrochen und der Rucksack mit Ersatz war dann auch irgendwie weg. Ich lag dann einige Zeit wie benommen da, dann rappelte ich mich auf und versuchte mich zu orientieren. Ich tastete mich in der Dunkelheit vorwärts und plötzlich sah ich einen rötlichen Lichtschein, der an der Wand vor mir reflektiert wurde. Als ich dann darauf zuging wurde der Schein immer heller. Gleichzeitig hörte ich Schreie, die nicht nur von einem sondern von vielen gleichzeitig kamen. Diese Schreie waren entsetzlich, aber in meiner misslichen Lage musste ich weiter darauf zu gehen. Als es dann immer noch lauter wurde und der Lichtschein immer heller, stand ich schließlich vor einem Felsvorsprung und da bemerkte ich auch die Hitze. Es war ungeheuer heiß, als wäre ich in einen Vulkan gefallen. Vorsichtig lugte ich um den Felsen herum und da sah ich sie: Die Hölle. So, wie sie immer geschildert wurde und nicht anders. Ein ganzer Haufen Teufel, die die armen Seelen malträtierten. Voller Grauen ging ich rückwärts und wurde durch etwas, das ein Fell hatte, gestoppt. «Rumpeldinger, deine Zeit ist noch nicht gekommen!», sagte der mit dem Fell zu mir. «Aber lass Dir das zur Warnung sein. Hier hast du ein Licht. Wenn du da vorne durch das Loch kriechst und den rechten Spalt nach oben nimmst, dann kommst du wieder raus!». Er hat mir dann noch eine Fackel mitgegeben und dank seiner Wegbeschreibung hab’ ich dann auch den Weg zum mir bekannten Teil der Höhle gefunden. Aber glauben Sie mir, es fällt mir immer noch schwer, darüber zu berichten. Nur eins weiß ich, ich bin ihm begegnet, dem Gott-Sei-Bei-Uns.” Und wieder schlägt er das Kreuzzeichen.

So ließ ich ihn zurück, den Jakob Rumpeldinger, mit seiner Geschichte, auf seinem Hof, während ich versuchte Vernunft und Aberglaube miteinander abzuwägen. Meine Rückfahrt zur Redaktion verlief still und nachdenklich und während dieser Fahrt beschloss ich, es so simpel niederzuschreiben, wie es mir erzählt wurde.

Als ich beim Schreiben des Artikels war, hat mich Jakob Rumpeldinger noch einmal angerufen. Es hätte sich jemand vom CIA bei ihm gemeldet und wollte ihn zu langsamen Foltermethoden befragen. Und ob der Teufel auch Waterboarding drauf hätte. Da könne er doch sicher den einen oder anderen Tipp geben. Wenn so eine Seele zu ewiger Verdammnis verurteilt ist, dann muss die doch so geschickt gequält werden, dass sie das auch eine Ewigkeit lang aushält und nicht gleich nach ein paar Monaten zusammenbricht, wie die Typen in Guantanamo.

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