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 QUERBUNG
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Zu schlecht bezahlt, zu wenig Perspektive, kaum qualifizierte Nachrücker

­Ehr­­bar­­er Be­­ruf des Ar­­beits­­lo­­sen droht aus­­zu­­sterben

von | 29. 10. 2015

Menschenleere Agentur für Arbeit in Herten. Früher standen hier die Leute Schlange.

Nürnberg, Herten (AA) – „So leer war es hier noch nie” , sagt der gelernte Bauzeichner Fritz Knastopp als er morgens um 7:00 Uhr die Agentur für Arbeit in Herten betritt. Er ist dort zu einem Meeting mit seiner Agentin verabredet, um gemeinsam mit ihr das weitere Vorgehen zwecks Umsetzung seiner Zukunftsvisionen zu planen. Auch seine Agentin, Silke Lachnit, findet, dass sich hier sehr vieles geändert hat und ihr Beruf im Lauf der letzten Jahre immer beschaulicher geworden ist: “Früher war hier schon echt Stress. Aber heute bin ich froh, wenn sich überhaupt noch jemand zu mir herein verirrt. Manchmal sitze ich tagelang hier und drehe Däumchen. Klar, bei so wenig Beratungsterminen habe ich natürlich auch Angst, meinen Job zu verlieren. Aber selbst arbeitslos melden würde ich mich auf keinen Fall. Als Kennerin weiß ich zwar wie’s geht; trotzdem sind auch für jemanden wie mich die Hürden zum qualifizierten Arbeitslosen enorm  hoch. Die vielen Formulare ausfüllen, immer zu Unzeiten beim Berater antanzen, mich gängeln lassen. Darum versuche ich alle möglichen Anreize für jemanden wie Herrn Knastopp zu schaffen, damit er uns treu bleibt.” Dabei huscht ein verschmitztes Lächeln über Frau Lachnits Gesicht.

Das hier Geschilderte spiegelt sich auch in den Zahlen wider,  die die Bundesagentur für Arbeit heute in Nürnberg veröffentlichte. Die Arbeitslosenquote liegt bei gerade einmal 6 Prozent. Die Gesamtzahl der Arbeislosen im Oktober beläuft sich auf nur 2,649 Millionen. Zwar besteht, laut BA-Chef Jürgen Weise, noch kein Grund zum Anlass, aber man beobachtet die Entwicklung auf dem Arbeitslosenmarkt sehr genau. “Es wird schwer sein, diese Lücken so schnell wieder zu füllen, aber wir arbeiten mit äußerster Akribie daran”, so Weise in seinem heute veröffentlichten Bulletin.

Kenner betrachten das Problem allerdings als hausgemacht: Über Jahre hinweg wurden hoch motivierte Arbeitslose aus den Agenturen weg vergrault. Die Hürden zu Einstieg und Anerkennung waren schier unüberwindbar. Nie enden wollende telefonische Warteschleifen (manchmal sogar tote Leitungen), miesepetrige Arbeitsberater, schikanöse Beratungstermine zu Unzeiten, an denen der gegängelte Arbeitslose gutes Geld hätte verdienen können und und und. Dabei entspricht das, was nach all den Strapazen als Stütze übrig bleibt, noch nicht einmal dem Existenzminimum. Nicht die Kasse klingelt, sondern der Gerichtsvollzieher. Da geht man doch viel lieber für 4 Euro cash die Stunde bar auf Tatze putzen, Fahrgäste oder Pizza ausfahren oder verdingt sich, als Gipfel der Krönung, als staatlich anerkannter leibeigener Altenpfleger bei freier Kost und Logis. Gottes Lohn im Beutel und das Himmelszelt als Dach. Und wenn dann derjenige den Hungertod stirbt, finden sich sicher wieder ein paar Betroffene, die dann Mitleidskrokodiltränen über seinem, ja was denn, Grab gibt’s da keins, also sonstwas vergießen und dann weiterziehen zum nächsten.

Traurig aber wahr: Wenn sich nicht rasch etwas ändert, dann wird es in 10 Jahren keinen einzigen richtigen Arbeitslosen mehr geben.

 

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