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Reif für's Guinessbuch der Rekorde

Längster Naziprozess wieder fest in deutscher Hand

von | Mittwoch, 9. Dezember 2015

Gebäude des Strafjustizzentrums München. Wird hier ein Rekord aufgestellt, der vielleicht 1000 Jahre hält?

Bildrechte: By Bubo (Self-photographed) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

München (AA) – Zschäpe sei Dank.  Der Münchner NSU-Prozess reißt die 250-Tage-Marke. Damit könnte er für lange Zeit zum längsten Verfahren in der Geschichte aller Naziprozesse werden. Länger als die Nürnberger Prozesse (218 Verhandlungstage), länger als der Prozess gegen Klaus Barbie (36 Verhandlungstage) und länger als der Prozess gegen Adolf Eichmann (121 Verhandlungstage). Beachtet man noch, dass die Nürnberger Prozesse unter alliierter, überwiegend amerikanischer, Leitung geführt wurden, der Prozess gegen den “Schlächter von Lyon”, Klaus Barbie, in Frankreich und der Eichmann-Prozess in Israel stattfand, steht der Münchner NSU-Prozess als rein deutsches Ereignis, auf deutschem Boden, in einem besonderen Licht: Wir Deutschen sind nämlich sehr wohl in der Lage, anständige Naziprozesse zu führen. Das langwierige, gründliche Verfahren macht die deutsche Justiz zum Rekordhalter und Beate Zschäpe zur historischen Figur. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Leid können einem Zschäpes Immer-Noch-Pflichtverteidiger Heer, Stahl und Sturm tun. Sind die drei mit den strammen Namen doch dazu verdammt, taten- und hilflos im juristischen Niemandsland herum zu irren. Ihre Mandantin hat sie schmählich im Stich gelassen, indem sie ihnen schlichtweg das Vertrauen entzog und sich zwei Neue holte. Jetzt müssen sie, auf Geheiß des Vorsitzenden Richters Manfred Götzl auf diesem verlorenen Posten ausharren, bis, ja, bis das Schicksal sich ihrer erbarmt und sie die Demission von einer höheren Instanz erhalten. Nur ist die nirgendwo in Sicht, die höhere Instanz . Verschärft wird das Dilemma noch dadurch, dass die enorme Verteidigerdichte zu einem Mangel an Sitzgelegenheiten führt. Die Drei müssen sich wohl oder übel zwei Stühle teilen. Ist man als Prozessbeobachter rechtzeitig im Gerichtssaal, kommt man vielleicht frühmorgens in den Genuss einer “Reise nach Jerusalem”.

Ein Dauergast, der von Prozessbeginn an dabei war, äußerte sich zum Stand des Verfahrens wie folgt: “Natürlich ist das Nazitum an sich, etwas Urdeutsches. Daher ist es auch vollkommen legitim, dass wir als Deutsche den Rekord für die längste Prozessdauer halten. Wir holen den quasi »heim ins Reich«! Der Verlauf zeigt, dass wir durchaus in der Lage sind, den Rekord noch auszudehnen. Da legen wir die Messlatte für zukünftige Naziprozesse schon verdammt hoch.”

Ob das alles wirklich, wirklich so gewollt ist, bleibt dahingestellt. Jedenfalls, ist zum 250sten ein kleiner Sektempfang mit Schnittchen geplant. Damit das kleine Jubiläum, wie es sich gehört, anständig gefeiert wird.  Und wer kommt dafür auf? Na, wer wohl? Nach 200 Verhandlungstagen hatte man geschätzte Prozesskosten von etwa 30 Millionen Euro. Voraussichtlich zu Lasten des Steuerzahlers. Da fällt der Imbiss nicht so ins Gewicht.

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