Berichte, Analysen, Meinungen zum Unverstand der Dinge

Tag des Ehrenamts

Ehrenamt soll in Zukunft noch kostenloser werden

von | Dienstag, 5. Dezember 2017

Dass wir Deutschen sehr wohl das Gebot der Nächstenliebe und des selbstlosen Einsatzes für Andere wertschätzen, lässt sich sehr schön an der steigenden Zahl der Freiwilligen für ein Ehrenamt ablesen. Wenn auch die Zahl derer, die loben stagniert.

Berlin (AA) – Gottes Lohn oder auch ein warmer Händedruck durch lokale oder überregionale Honoratioren sind dem, der ein Ehrenamt ausfüllt, oft Honorar genug. Kann er doch später seinen Enkeln am Kaminfeuer bei Bratapfel und Punsch erzählen, dass ihm der damalige Bürgermeister oder sonstige lokale Prominenz eine goldene Ehrenplakette an Revers oder Busen gesteckt hat. Begleitet von besagtem schwitzenden Händedruck und manchmal einer Blaskapelle. So fügt sich Blech zu Blech.

Bei all der Ehre kann man schon gut und gerne die Anstrengungen vergessen, die vonnöten sind, um das Ehrenamt überhaupt in der gewünschten Form auszuüben. Machen familiäre Umstände es schon schwer genug; sei es der nörgelnde Ehepartner oder die quengelnde Kinderschar, die ihr Recht auf die ohnehin knapp bemessene gemeinsame Zeit einfordern. Ist der Helfer dann vor Ort trifft er häufig eine wenig umtriebige Einsatzleitung vor, die den motivierten Ehrenämtler sinnlos von A nach B verschickt, um ihn dann schließlich indisponiert und frustriert im Regen stehen zu lassen. Vor lauter “Helfen um jeden Preis” kann es dann schon mal passieren, dass der Hilfsbedürftige von der vielen übermäßigen Hilfe hinweggeschwemmt wird. Halb ersoffen vor Hilfe und Nächstenliebe ist’s dann an ihm, dem Geholfenen, dem Helfer gefälligst dankbar zu sein. Ein weiterer Hemmschuh: Die fehlende fachspezifische Kompetenz des Helfers, was Wunder und nicht von der Hand zu weisen. Braucht so ein Freiwilliger doch inzwischen eine richtige Ausbildung, unbezahlt versteht sich, um sein freiwilliges Amt sachgerecht auszufüllen. Aber man tut, was man kann. Hauptsache, es wird was getan. Und der zufällig vorbeikommende unbeteiligte Beobachter, der vor Ort nun gar nichts zu suchen hat, fragt sich gelegentlich: Wer braucht hier eigentlich mehr Hilfe? Die Helfer oder die Hilfsbedürftigen? Hilfe!

Um all diesen Widrigkeiten zu trotzen und gleichzeitig die Qualität der gebotenen Hilfeleistung zu steigern, haben Politik und gemeinnützige Organisationen als Träger jetzt beschlossen, Geld vom Ehrenamtler für dessen ehrenamtliche Tätigkeit zu verlangen. Aus dem einfachen Grund, dass jemand, der dafür bezahlt, weit engagierter und bewusster an seine Aufgabe herangeht als einer, der völlig übermotiviert “freiwillig” herum stresst, nur weil er für seine Umgebung diesen wahnsinnig selbstlosen, karitativen Eindruck hinterlassen möchte. Blender als Samariter gibt es wahrhaftig schon genug. Selbstverständlich dürfen die auch immer noch herumstehen. Aber bitte jenseits der durch rotweiß gestreifte Absperrbänder festgelegten Demarkationslinie. Die dient gleichzeitig als Zugangspforte, an der der Eintritt von den zu Allem bereiten, freiwilligen und zahlenden Helfern kassiert wird.

Und die Moral? Die gibt es nicht. Entspringt doch dieses konstruierte Schreckensszenario des Altruismus allein dem wirren Geist der Schreiberin. Was zählt, ist der gute Wille. Der ist da. Sowohl bei Helfern als auch Politikern als auch allen anderen Beteiligten wie Nichtbeteiligten. Bei allen! Wie schön.

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