Düsseldorf, Wuppertal (AA) – Norbert Walter Borjans (SPD), Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, wollte nur mal eben nachsehen, wer sich denn so alles auf einer sogenannten Steuer-CD namentlich tummelt. Also schob er den frisch über einen Mittelsmann gekauften Silberling in seinen Dienstrechner. Sofort fing das Laufwerk an zu zirpen. Aber auf dem Bildschirm erschienen keine Namen, sondern der mit einem lustigen Bildchen versehene Warnhinweis: „Hallo, der Zugriff auf Ihre Daten wurde eingeschränkt. Bitte überweisen Sie den Betrag von 5 Millionen Euro per Western Union auf das Konto xxxyz und so weiter um wieder uneingeschränkt darauf zugreifen zu können. Wir wünschen Ihnen noch einen angenehmen Tag!“ Im selben Augenblick war auch schon ein allgemeines Gefluche im ganzen Ministerium zu hören. Walter-Borjans hatte wohl mit seiner unüberlegten Handlung über das hauseigene Netzwerk den gesamten Rechnerpark der Behörde infiziert und lahmgelegt.
Die Wuppertaler Steuerfahndung, die Borjans die CD zwecks Einsichtnahme zur Verfügung gestellt hatte, hielt sich derweil bedeckt. Sie ließ lediglich das Statement verlautbaren: „Man werde den Fall intern untersuchen und möchte erst nach eingehender Prüfung Stellung dazu nehmen.“
Kenner der Materie glauben jedoch, dass es unter den Steuerfahndern momentan ein regelrechtes Rennen um die Daten von Steuerbetrügern gibt. „Die kaufen doch jeden Schrott, um jeden Preis“, so ein Fachmann, der seinen Namen nicht genannt haben möchte. „Hauptsache sie sind die Ersten. Und dann gehen die Daten über mehrere dunkle Kanäle und landen als Raubkopie von der Raubkopie auf CD im Rechner von so einem Noob. Kein Wunder, dass man sich da was einfängt. Über Piratebay hätten die das wesentlich günstiger haben können, und vielleicht auch sauberer!“
Bleibt zu hoffen, dass die Ransomware auschließlich die Rechner der Finanzbehörde heimgesucht hat.