Berichte, Analysen, Meinungen zum Unverstand der Dinge

 QUERBUNG

Glyphosatskandal nachgekartet

Plempel in der Plörre

von | Montag, 7. März 2016

Geht’s um’s Bier, versteht der Deutsche wahrlich keinen Spaß. Vollkommen spaßbefreit ist aber auch sein, alles andere als freimütiger, Umgang mit dem Gerstensaft.

Bildrechte: By Raboe001 (selbst fotografiert DigiCam C2100UZ) [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

München (AA) – Für einige Irritation in der Volksgemütslage sorgte die halbgare Studie des Münchner Umweltinstituts  zum Gehalt von Glyphosat im Bier. Gesundheitsgefährdend, ja oder nein? Unisono tröpfelten sofort die Dementis der an den Pranger Gestellten sowie aller direkt wie indirekt im Umfeld Betroffenen herein. Aber auch die Bierprüfer räumten ihrerseits ein, ihren Bericht etwas frühreif und vielleicht zu effekthascherisch veröffentlicht zu haben. Vor allem mangelte es der Studie an Wissenschaftlichkeit. Schaut man sich nun die Liste der vorgeführten Top Fourteen an, kann man als Bierliebhaber sowieso nur den Kopf schütteln. Einmal abgesehen vom Münchner Augustiner, ist der Rest für ihn schlichtweg kein Bier. Ob mit oder ohne Glyphosat, was da in unmoralischen Mengen als Bier im Volksmund landet, ist für ihn Gesöff und ränne bei ihm niemals durch die Kehle!

Anheuser-Busch InBev

Prompt bezeichnete der Brauerei-Moloch Anheuser-Busch InBev  die Testergebnisse des Umweltinstituts als nicht nachvollziehbar und nicht plausibel. Weder nachvollziehbar noch plausibel ist dem Geschmacks- und Genussmenschen allein die schiere Existenz des molochartigen Brauereigebildes “ABInBev”. Das Imperium des brasilianisch-schweizerischen Biergierlings Jorge Paulo Lemann. Hätte der Herr Lemann wenigstens Ahnung von dem Bieslwasser, mit dem er die Welt ersäufen will. Aber der Mann selbst trinkt ja nicht! Wahrscheinlich weiß er aber auch genau warum! Biergenießers wüsteste Albträume verdichten sich zu einem gruseligen Szenario: Stell dir vor, du sitzt gemütlich im ABinBev und gönnst dir mit Freunden ein kühles ABinBev, welches du dir genussvoll hinter die Binde kippst. Bei einer derart groben Entsinnlichung kotzt du doch schon, bevor du überhaupt mit dem Saufen angefangen hast. Da steckst du doch deinen Kopf freiwillig in jede Drecksbrühe, egal welcher Zusammensetzung: Her mit dem Glyphosat! Und bitte pur! Wenn ich mich schon vergifte, dann will ich wenigstens wissen womit! Nebenbei könnte man so austesten, was wirklich dran ist an der Krebserregung. Quasi am lebenden Objekt. Hiermit stelle ich mich uneingeschränkt der Wissenschaft zur Verfügung!

Deutscher Brauerbund

Ähnlich rund, mit Schaum vor’m Mund, ging’s zu beim Deutschen Brauerbund. Jedwede, unter Umständen angebrachte Bedenk- oder Schamfrist völlig außer acht lassend, schlugen sich die zünftigen Lobbyisten, getreu dem Motto, “wer mehr zahlt, der schafft auch mehr an”, reflexartig auf die Seite der Massenabfüller. Traditionell in Treue fest, weil die Gewappelten immer schon mit dem pralleren Geldbeutel gewedelt und damit die Vereinsmeierkasse gefüllt haben.

Bundesinstitut für Risikobewertung

Entwarnung kam auch vom Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR. Laut deren Aussage man schon täglich 1000 Liter der kontaminierten Fassbrause konsumieren müsste, um vielleicht einen nachhaltigen gesundheitlichen Schaden davon zu tragen. Lustig, weil der zugrunde liegende Grenzwert willkürlich mal so bei täglich 0,5 mg/kg Körpergewicht festgelegt wird und es bislang keine Langzeitbeobachtungen zur Wirkung von Glyphosat beim Menschen gibt. Da könnte man genauso gut sagen, eine Wassertiefe von 2m ist grundsätzlich nicht letal, sofern man lebenserhaltend schwimmen kann. Angesichts solcher Kriterien wird das BfR vielleicht selbst zum Risiko. Nachdem jetzt auch in einer Untersuchung im Urin von 1000 freiwilligen Probanden bei 99,6% Glyphosat festgestellt wurde, gibt das Institut auch hier Entwarnung: Man kann getrost täglich 1000 Liter Urin trinken, ohne dass das spürbare Auswirkungen auf die Gesundheit hätte.

Verbraucherschutz

Keine gute Figur macht aber auch der sogenannte Verbraucherschutz mitsamt wohlbestalltem Ministeriumsanhängsel: Wird doch billigend in Kauf genommen, dass der schützenswerte sogenannte Verbraucher zum unmündigen Loch degradiert wird, in das man etwas gewinnmaximierend hinein schüttet. Im Loch selbst wird das Hineingeschüttete dann zu irgend etwas anderem umgewandelt und dann aus einem anderen Loch wieder ausgeschieden. Und schon ist wieder Platz, um wieder was Neues in das erste Loch hinein zu schütten. Ein Verbraucher ist also nur dann ein Verbraucher, wenn er das zum Verbrauch bestimmte richtig satt verbraucht und das Verbrauchte in den Verbrauchskreislauf zurück verbringt. Da stellt sich einem doch die Frage: Was muss man bitte an so einem Loch schützen? Und welches Arschloch erfindet eine Sprache mit Worten wie: “Verbraucher” oder “zum Verzehr geeignet”? Spricht jemand so, weil er oder sie es nicht anders gewohnt ist, als sich die lebensnotwendige Nahrung geschmacksneutral per Klistier in den Hintern zu blasen? Kann sein, dass so jemanden, überhaupt nur am Arsch was schmeckt? Weil er eben nur dort, wenn überhaupt, seine Geruchs- und Geschmackspapillen hat? Kann ja alles sein? Bei mir erzeugt so ein Vokabular massive Verstopfung. Bingo, und schon bin ich der nächste, der ein Klistier braucht. Also, der Verbraucherschutz äußerte sich taktisch geschickt gar nicht zum Fall, sondern verwies auf die Risikobewertung des BfR.

Monsanto

Monsanto hat gegen “Hasseröder” mittlerweile eine einstweilige Verfügung angestrengt. Darin verbittet sich der Pflanzenschutzmulti die Verpanschung seines Premiumprodukts Glyphosat mit der Harzer Ballerbrause. Gegen die Zweit- und Drittplatzierten “Jever” und “Warsteiner” will man ähnlich vorgehen. Analog zur Initiative des Münchner Vereins: “Glyphosat raus aus dem Bier” hat sich eine Initiative besorgter Pflanzenschutzmittelbefürworter das Motto “Bier raus aus dem Glyphosat” an die Fahnen geheftet. Unwidersprochen bleibt seitens Monsanto der Vorwurf, dass Glyphosat das vielleicht mörderischste Zeug gegen Pflanzen seit Agent Orange ist. Wirkt garantiert gegen alles Grünzeug. Außer gegen das von Monsanto gentechnisch veränderte und damit gegen Glyphosat resistente. Schön, wenn eine Firma Mittel und Gegenmittel im selben Giftschrank bunkert. Und auch noch das Patent drauf hat. Blöd für all die anderen, die das nicht haben.

Augustiner Brauerei München

Was nun den “Sünder” Augustiner angeht: Erstens war das Lieblingsbier der Münchner wirklich das mit der geringsten Herbizidbelastung in der Reihe. Zweitens, sind wir alle mehr oder weniger maßvolle Sünder. Drittens, bestätigt die Ausnahme bekanntlich die Regel. Viertens, schmeckt ein August eben immer noch wie ein August. Daher erteile ich dieser Brauerei, aber ausschließlich dieser, ausnahmsweise und großmütig Absolution und Amnestie. Allerdings versehen mit einer kleinen Rüge: Macht das nicht nochmal!

Reinheitsgebot

Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Erstaunlich, wie die Kombination dieser vier einfachen Zutaten die Geschmacksnerven entweder zur Verzweiflung oder zum Jubilieren bringen können. Sakrosankt bleibt es auf jeden Fall: Das Reinheitsgebot, erlassen anno 1516 zu Ingolstadt. Keiner scheint sich die Frage zu stellen, warum das denn damals erlassen wurde? Vielleicht weil auch damals schon ein paar Schlaumeier versucht haben, Sachen ins Bier zu mischen, die da nicht rein gehören. Aber halt, nach 1516 war Schluss mit der Panscherei. Seitdem galt und gilt verbindlich das Reinheitsgebot. Nach 1516 hat sich jeder an die Regel gehalten und die frohe Botschaft vom reinen deutschen Bier in die Welt hinaus getragen. Mal sehen, wie die Feierlichkeiten ablaufen werden, zum fünfhundertsten Jubeljahr der Bierseligsprechung. Als gebürtiger Ingolstädter muss man da dabei sein. Ich bin gespannt!

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