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Der aktuellste Foodtrend kommt aus Haiti

Schlammkekse sind die neue Delikatesse für Schöne und Reiche

von | Donnerstag, 14. Juli 2016

So urwüchsig, bodenständig und lecker wird die Delikatesse von typischen haitianischen Mamans in traditioneller Weise zubereitet und direkt auf den örtlichen Märkten verkauft.

Port au Prince (AA) – Madonna knabbert sie, Shakira, aber auch Brad Pitt und so mancher A- B- und C-Promi wurden mit ihnen zwischen den Zähnen schon erwischt. Auf üppigen Banketten vieler Royals, Blaublütiger und Angehöriger des Geldadels wurden sie schon gesichtet. Teilweise belegt mit erlesenem Malossol Kaviar aber auch pur mit einem leichten Spritzer Zitrone genossen, sind sie der reinste Gaumenschmaus: Die Rede ist von haitianischen Schlammkeksen oder auch Schlammkuchen. Wie so oft liegt der Ursprung dieser Delikatesse in der Arme-Leute-Küche. Lange Zeit diente sie ausschließlich dazu, die Mägen unterernährter Kleinkinder auf Haiti zu füllen. In diesem, immer noch vom Erdbeben von 2010 schwer gezeichneten Land, gibt es aber auch kaum eine andere Nahrungsquelle. Dank ihrer wurde so manches überlaute Magenknurren besänftigt und ein seeliges Lächeln zauberte sich nach dem Verzehr auf die Gesichter der Allerkleinsten.

Die Zutaten sind simpel: Einheimischer, haitianischer Schlamm, etwas Wasser, Salz, kleingehäckselte Gemüsebfälle (soweit vorhanden), dann noch ein bisschen Öl oder zerlassene Butter untergerührt, fertig! Die beiden letzten Zutaten sind aber nicht unbedingt vonnöten. Der wahre Kenner schwört ohnehin auf die unverfälschte Rezeptur, wie sie von den Mamans für die haitianischen Wochenmärkte zubereitet wird: Wasser, Erde und eine winzige Prise Salz. Sonst nichts. Das ganze wird dann sorgfältig etwa eine Stunde lang mit der Hand in einer irdenen oder noch authentischer, einer zerbrochenen Plastikschüssel verrührt beziehungsweise durchgeschlagen. Dann verteilt man sie kunstvoll in etwa 15 cm großen runden Fladen auf dem sonnenüberfluteten heißen Pflaster, drückt sie flach und  lässt sie gut durchtrocknen. Schon sind sie fertig und können vom Fleck weg, knusprig, lecker, wie sie sind, verputzt werden.

Allerdings zeichnen sich bereits massive Probleme am Horizont ab. Die erhöhte Nachfrage nach haitianischen “biscuits de boue” rief inzwischen die internationale Nahrungsmittelindustrie auf den Plan. Großkonzerne wie Nestlé und InBev sicherten sich vor Ort großflächig die Schürfrechte für haitianische Erde. Das hatte zur Folge, dass die wenige noch frei erhältliche Erde rapide im Preis gestiegen ist und diese für unsere Kleinstproduzentinnen mittlerweile unerschwinglich geworden ist. Nur noch wenigen gelingt es, auf dem Markt zu bestehen. Zur eigenen Ernährung und der ihrer Kinder sind sie gezwungen, völlig überteuerte Alternativen minderer Qualität im, soweit vorhandenen, Supermarkt zu kaufen. Und da Geld knapp oder gar nicht vorhanden ist, scheidet diese letzte verbliebene Resource für die Ärmsten der Armen einfach aus. “Ich weiß nicht, was werden soll. Wenn man uns die Schlammkekse auch noch nimmt, bin ich wohl irgendwann gezwungen meine eigenen Kinder zu essen. Oder sie mich”, so Murielle Bonnassieux, eine der letzten noch verbliebenen Schlammkeksbäckerinnen auf dem Markt in Port au Prince. Vorsicht Murielle, sag das nicht zu laut. Du rufst mit deinen aus der Verzweiflung geborenen kulinarischen Vorstellungen womöglich noch einen Foodscout auf den Plan!

Gleichzeitig gibt es immer mehr Fälschungen auf dem Markt. Leider gibt es immer noch keine glaubwürdige Zertifizierung für echten haitianischen Schlamm. Ein Problem, das sich auch in unseren heimischen Supermärkten wiederfindet. Wenn Sie Lust auf die Zubereitung von Schlammkeksen haben, seien Sie vorsichtig. Nicht überall wo “echt haitianischer Schlamm” oder “echt haitianische Erde” draufsteht, geht das Deklarierte konform mit dem Inhalt. Nicht einmal in Biomärkten ist man vor Fälschungen sicher.

Auf vielfachen Leserwunsch hier noch einmal das Rezept:

Biscuits de Boue haitiens (Ausreichend für vier Personen)

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