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Die Lüge als Lüge

Hat Petra Hinz die Erfindung ihres Lebenslaufs etwa erfunden?

von | Samstag, 23. Juli 2016

Raus aus dem öffentlichen Pranger, rein in die Versenkung: Zukünftige Ex-SPD-MdB Petra Hinz.

Bildrechte: Eigenes Werk, By Foto-AG Gymnasium Melle (Own work) [CC BY-SA 4.0, GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Essen, Berlin (AA) – Während sich alle Welt noch darüber echauffiert, ob und wie Petra Hinz ihren Lebenslauf getürkt hat, ist schon ein neues Gerücht im Schwange. Das macht den Fall noch komplizierter, als er ohnehin schon ist. Weil sie, die ewige Hinterbänklerin, zum Zenit ihrer Parlamentskarriere noch einmal richtig in der ersten Reihe mitspielen wollte, hat Petra HInz die Story von der Fälschung Ihres Lebenslaufs konstruiert. Will heißen: In Wahrheit ist sie tatsächlich die graduierte Juristin mitsamt Abitur und Staatsexamina, als die sich die ganzen Jahre über ausgegeben hat. Ihr Curriculum Vitae, wie er bis zum Scoop auf Ihrer Website stand, war absolut authentisch. Weil ihr aber der dröge Alltag mit den drögen Standesgenossen im Bundestag zu langweilig wurde, ersann sie irgendwann die grandiose Idee von der Fälschung.

Es kam, wie es kommen musste: Petra Hinz erlebte den fulminanten Schub an Aufmerksamkeit, den sie sich erhofft hatte. Zwischenzeitlich war sie sogar die meist gehasste Person in diesem bislang deutschesten aller Internette, noch vor Erdogan und Renate Künast. Alle Aufrichtigen und Rechthaber, davon gibt’s hierzulande traditionell eine ganze Menge, leerten kübelweise ihre Verachtung über das böse Mädchen aus: Ein Shitstorm Stärke 10.

Amüsiert konnte man zusehen, wie alle auf den Empörungszug aufsprangen. Beeindruckend, wie sich der soziale Furor über die sozialen Medien Bahn brach. Er zog uns mit, weil wir wieder mal das Gefühl hatten, betrogen worden zu sein. Und Betrug, das geht gar nicht! Geht nicht, weil wir eben so leicht zu betrügen sind. Nicht, weil wir so vertrauensselig sind. Nein, wir wollen betrogen werden. Wir lieben es, vorgeführt zu werden. Wir lieben Titel, egal ob richtig oder falsch. Je höher sich unser vermeintliches Gegenüber an uns emporschwingt, desto duseliger unser Gefühl.

Seien wir ehrlich (schon wieder): Gibt es auf diesem Planeten einen adäquaten Begriff in einer anderen Sprache für das wunderschöne Wort Hochstapler? Jemand, der sich selbst per erfundenem Postament hochstapelt, erhöht, ja überhöht. Jemand, zu dem wir kraft dieser Überhöhung ehrfürchtig aufblicken können oder der uns in schwindelerregende Höhen unserer Illusionen entführt. Luftschlösser, in die wir uns freiwillig gerne entführen lassen, wenn nur der Entführer bald käme. Ein fantastisch fiktiver Felix Krull, ein überaus realer Gerd Postel aber auch eine irgendwo dazwischen schwiemelnde Petra Hinz: Alles Schwindler! Sie passen so gut zu uns Deutschen. Wir brauchen sie! Erinnern Sie sich? “Die Feuerzangenbowle” ist einer unserer Lieblingsfilme. Wir freuen uns diebisch, wenn sich jemand Anderes vor jemand Anderem als jemand Anderes ausgibt. Hallo! Aber bitte vor allen Anderen, nicht vor mir. Ich verbitte mir, dass Sie sich vor mir als jemand Anderes ausgeben! Machen Sie das bitte mit jemand Anderem. Sonst hole ich die Polizei, ja!

So lasst uns denn ein Hoch aussprechen auf die Hochstapler, die Bramarbasierer, die Dampfplauderer, die Nabobs und Größenwahnsinnigen, die Eitlen wie die Schüchternen, die Verführer wie die Verführbaren, auf die Betrüger wie die Betrogenen. Auf alle, die Teil sind in diesem irrsinnigen Ringelreihen um ein großes gewaltiges Nichts. Auf euch, auf uns und den ganzen anderen Rest.

Und Petra Hinz? Ist Wurscht. Wo Wölfe heulen, heulen Wölfe und sie heulte eben mit. Kein Mitleid. Auch klar, dass es im Moment die wieder heraus drückt, die das alles schon vorher gewusst oder geahnt haben; wie Senf aus der Tube.

Und was können wir dann überhaupt noch glauben? Ist doch ganz einfach: Glaubt einfach nichts! Oder glaubt alles! Am besten Ihr glaubt irgendwas dazwischen. So, wie ihr es sowieso schon immer getan habt. Da ist kein Unterschied. Ja, schon begriffen. Damit bin ich wieder mal in ein neues Stadium meines Bewusstseins eingetreten. Glaub ich mal so. Unterschied? Gibt’s keinen. Außer dass ich mehr Spaß am Zweifeln habe.

Laute Zeiten das. Wieder mal. In dieser Zeit der Schreihälse leuchtet uns immer irgend etwas oder irgend jemand heim. Zwar nicht immer mit dem erhellenden Glanz von Sonne oder Mond. Aber meistens genügt uns ohnehin der Heiligenschein eines Scheinheiligen.

 

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