Berichte, Analysen, Meinungen zum Unverstand der Dinge

Zuckerberg begeistert

Facebooks Be­trof­fen­heits­kam­pag­ne ist ein vol­ler Erfolg

von | Dienstag, 17. November 2015

Hat voll den Dreh raus, aus einer tumben Masse eine noch tumbere zu machen: Mark Zuckerberg.

Bildrechte: Mark Zuckerberg, Brian Solis (Flickr)Bestimmte Rechte vorbehalten | Tricolore, by David Newton [Public domain, GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Menlo Park, Kalifornien (AA) – Mark Zuckerberg rieb sich gestern ordentlich das Fäustchen. Er und jeder seiner Anhänger konnte per Klick ein tiefes Mitgefühl mit dem Opferstaat Frankreich bekunden und die französische Fahne über das eigene Profilbild legen. Der Prophet ging mit bleu-blanc-rouge leuchtenden Beispiels voran und viele seiner Jünger folgten ihm. Nun gut, für einige war das das beste, was sie machen konnten. Erfuhr dadurch so manches Antlitz, eine erhebliche optische Aufhübschung. Für Zuckerberg war es wieder mal die Bestätigung dafür, wie beherrschend die Meinungsfabrik Facebook sein kann. So sahen es auch die Anleger: Der Kurs der Aktie schoss heute um fast 4% in die Höhe.

Glücklich waren diejenigen Facebook-User, die auf diese Art freimütig ihre Kompassion mit allen anderen teilen konnten. Allerdings reagierten sie übellaunig auf all die, die das nicht taten: Zum Beispiel diejenigen, die auf das fast zur gleichen Zeit geschehene Attentat in Beirut hinwiesen. Totschlagargument der “Franzosen” war, dass jedem nur ein begrenzter Spielraum an Mitleid zur Verfügung steht. Und dieser Spielraum ist doch mit dem bereits bezeigten weidlich ausgeschöpft. Außerdem ist das Hemd immer noch näher als der Rock; Frankreich näher als der Libanon. Wer wie wo am meisten Beileid bekunden wird, wird sich erst auf längere Sicht zeigen. Vielleicht erwächst daraus auch ein neuer, fundamentalistischer Richtungsstreit? Wer weiß? Es soll aber schon Avatare mit der Zedernfahne Libanons als Overlay geben.

Wie leicht sich die Freund-Feind-Lage durch den Leumund von Facebook verschieben kann, zeigen die Recherchen unseres Kollegen von den Norddeutschen Nachrichten. Laut dessen Bericht hatte sich einer der meist gesuchten Terroristen versehentlich selbst das Profilbild mit bleu-blanc-rouge umgefärbt. 

Dass es noch extremer geht, zeigt das Beispiel des Mannes, der sich einen blau-weiß-roten Luftballon über den Kopf stülpte um den absolut korrekten Schnappschuss zu machen. Er konnte gerade noch vom herbeigerufenen Notarzt reanimiert werden. Auch sollen momentan blau-weiß-rote Präservative der Hit in den Verkaufsregalen der Drogeriemärkte sein.

Ach ja! Einen gehörigen Rüffel mussten sich, hauptsächlich von der deutschen Community, die Franzosen gefallen lassen. Gab oder gibt es doch kaum einen Franzosen, der, aus Mitgefühl mit seinem Land, sein Profilbild mit der Trikolore verhängt hat. Unverschämtheit.

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