Kitzbühel (AA) – Man hat’s nicht leicht als Briefträger. Vor allem, wenn der Adressat Franz Beckenbauer heißt. Seit 21 Jahren liefert Georg Hirtenschlager in Kitzbühel dem Kaiser die Post aus. Manchmal sogar zweimal am Tag. Jetzt hat der Postbote um seine Versetzung in einen anderen Bezirk gebeten, weil er die Last von Post und Zeitschriften, die er tagtäglich austragen muss, physisch und psychisch nicht mehr bewältigt. „Ich habe das immer sehr gerne gemacht. Und ich habe vom Herrn Beckenbauer auch immer ein schönes Trinkgeld bekommen. Aber was zu viel ist, ist zuviel. Das waren manchmal leicht über zweihundert Kilo Post am Tag – hauptsächlich Zeitschriften. Und da war teilweise sehr pornographisches, sehr scharfe, aber auch sehr harte Sachen dabei. Ich traue mich gar nicht, das zu erzählen ohne rot zu werden. Ich hab’s dem Herrn Beckenbauer schon gesagt. Ich packe das einfach nicht mehr.“
Mit großem Verständnis reagierte der Kaiser auf das Adieu seines Postillons. Natürlich weiß er, dass er die Ursache für dessen Nöte ist. Jahrelang war er so leichtfertig, mit seiner Unterschrift derart verschwenderisch umzugehen, dass es keine Zeitschrift gab, die er nicht abonniert, keinen Handyvertrag, den er nicht abgeschlossen hat und keinen Buchklub, dem er nicht beigetreten ist. In manchen Fällen sogar doppelt und dreifach! Wenn irgend etwas zu unterschreiben war, Beckenbauer hat es unterschrieben. Entsprechend belagert wird derzeit seine Villa von Gerichtsvollziehern, Geldeintreibern, Inkassodiensten, Anwälten und russischer Mafia. Alle glauben, sie haben noch mindestens eine Rechnung mit Beckenbauer offen. Doch Beckenbauer zahlt nicht. Nicht mehr!
„Ich bin einfach ein zu netter, leichtgläubiger Mensch“, so Beckenbauer. „Ich höre mir halt die Sorgen der Menschen an und dann glaube ich das denen.“ Zur Unterschrift, die er Jack Warner gegeben hatte, meinte er: „Ja äh natürlich kann ich mich erinnern. Ich habe in einem Kaufhaus Autogramme gegeben. Da stand da dieser Neger* in der Reihe. Dass das der Jack Warner war, das wusste ich damals aber noch nicht. Ich habe gedacht, der will halt ein Autogramm von mir. Als er dann näher kam, hab‘ ich ihn für den Roberto Blanco gehalten. Und dem Roberto vertrau‘ ich blind. Natürlich kriegt der Blanco meine Unterschrift.“
Jetzt hofft Beckenbauer auf die Zeit, die bekanntlich vieles vielen vergibt: „Ich bin jetzt siebzig. Da sollte man schon ruhig einiges vergessen dürfen.“