Bonn – „Dieses ganze Internet-Gedöns, ich hab‘ sowas von die Schnauze voll davon“. Rentner Hinnerk Michelsen aus Bad Oldesloe redet sich sprichwörtlich in Rage, wenn er nach der Qualität seiner Leitung bei der Telekom gefragt wird. „Seit 55 Jahren hab‘ ich meinen Telefonanschluss bei der Post, immer hab‘ ich ja gesagt, wenn sie ankamen mit so’nem neuen Schiet: Telefax, Datex-Dingens, ISDN. Und als sie dann das Internett bei mir installiert haben, hab‘ ich mir sogar einen neuen Computer gekauft. Und hab mir das alles von meinem Enkel einrichten und erklären lassen. Jetzt ist der aber mit seiner Verlobten in Urlaub auf den Malediven und ich hab keinen Anschluss. Und mein Sohn, was der Vater von meinem Enkel ist, der ist ein Idiot.“
Natürlich können wir noch stundenlang die Tiraden eines Hinnerk Michelsen anhören. Die sind ja auch lustig. Worum es aber eigentlich geht, ist die Tatsache, dass die Telekom ihre spärlich informierte Kundschaft wieder mal im Regen stehen ließ. Via Botnetzschadcode Mirai waren die hausüblichen Router der Marke Speedport von Hackern angegriffen worden. Zum Glück blieb der Angriff in sich erfolglos, führte aber dazu, dass sich die Router am eingeschleusten Code verschluckten. Das Ziehen des Steckers löste das Problem zwar kurzfristig, aber nach jedem Neustart rollte schon die nächste Attacke an.
Entnervt von dem ganzen Hick-Hack wechseln jetzt viele Telekom-Kunden zurück zu alten Gewohnheiten: Die gute alte Trommel wird aus Keller oder Speicher geholt. Grillkohle findet in den Baumärkten selbst im Winter reißenden Absatz, weil Rauchzeichen wieder angesagt sind. Selbst das Erlernen sowohl des Morse- als auch des seemännischen Winker-Alphabets erfreut sich steigender Beliebtheit. Spätestens seit „Herr der Ringe“ wissen wir auch ein prasselndes Signalfeuer auf Berges Gipfel wieder sehr hoch zu schätzen. Weder Ork noch Schadcode hätten da eine Chance.
In Lübeck, nur einen Katzensprung von Bad Oldesloe entfernt, hat ein ehemaliger Indianerhäuptling namens ¾Web ein Übersetzungsbüro für nicht versendbare Emails aufgemacht. Man muss ihm die Mail nur zufaxen und er übersetzt sie für den jeweiligen Empfänger in Trommel oder Rauchzeichen. Das wäre doch eine schöne Möglichkeit für Hinnerk Michelsen. Es soll sogar Web-Agenturen geben, die einen kompletten Internetauftritt per Rauch in den Himmel malen.
Für die Telekom ist das alles ein alter Hut. „Seit wir als Telefonsparte der Post zur Telekom mutierten, hat sich bei uns in der internen Kommunikation kaum etwas verändert. Traditionell kommunizieren wir intern nach wie vor mit Trommel beziehungsweise Rauchzeichen.“ So ein Telekom-Sprecher. „Das sind Sprachen, die wir einfach perfekt verstehen!“
Ein kleines Wunder ereignete sich auf dem Rathausplatz in Hamburg. Da machte einer den Mund auf, heraus kam ein Laut, der Laut wurde zu einem Wort, und es scharten sich viele Leute um ihn, die dem, was da gesagt wurde, verzückt lauschten. Verrückt!
